Detox? Die Menge macht das Gift!


Störungen und toxische Einflüsse werden als unangenehm erlebt. Das ist verständlich. Immer wieder stoße ich in diversen Foren auf Detox-Angebote. Zu viel Internet? Social-Media-Detox! Zu viel „Idioten“? Idioten-Detox! Zu viel Giftstoffe? Lebensmittel-Detox! Negative Gedanken? Positive Affirmation und Problem-Detox! Ich könnte die Liste bis ins Unendliche fortführen. Ich finde es faszinierend, dass Menschen sich permanent von toxischen Einflüssen fernhalten und sich dadurch immunisieren möchten. Doch meine Damen und Herren: Die Menge macht das Gift!


Letztendlich geht es mir nicht darum sich mit Giftstoffen vollzupumpen um behaupten zu können: „Hey! Ich habe es überlebt!“ Es geht um den verantwortungsvollen Umgang mit schwierigen Umständen, um das Ganze auf eine Metaebene zu bringen. Zu viel oder zu wenig ist meistens das Problem. Doch fangen wir mal vorne an:


Als Kind war ich schwerer Allergiker. Pollen. Mit Asthmaanfällen, geschwollenen Augen und allem, was dazu gehört. Der erste Lösungsansatz: Daheim bleiben. Der zweite Lösungsansatz: Kortisonpräparate um die Symptome zu unterdrücken. So ging das viele Jahre. Bis ich auf Sensibilisierungstherapie umgestiegen bin. Leichte Dosen um mich langsam daran zu gewöhnen. Jetzt wird sich manch einer Fragen: „Was will uns der Autor damit sagen?“ Es geht um Immunisierung. Und das gilt für viele Bereiche des Lebens. Hier einige Beobachtungen, die ich bei Menschen gemacht habe:

Unangenehmen Umständen geht man gerne aus dem Wege. Spurt ein Mensch nicht wie man möchte, wird sich seiner schnell entledigt. Man entgeht Idioten, sozusagen. Geht der Schnupfen rum, bleibt man zu Hause. Doch was passiert, wenn man sich dann doch mal aus seiner Komfortzone bewegen muss? Das Eigenerleben eskaliert, da sich der Mensch nicht vorzeitig immunisiert hat. Sich völlig schadensfrei zu halten bedeutet, in einer isolierten Umgebung zu leben. Da wir das Leben nicht wirklich beeinflussen können, gilt es doch eigentlich wenigstens die Dosen zu kontrollieren.

Eine gesunde Lebensweise erzwingen manche Menschen dadurch, dass sie Detox-Urlaube zum Entgiften des Körpers buchen. Sie quälen sich durch Anwendungen, entgiften und entspannen auf Teufel komm raus. Sie kehren voller Energie in den Alltag zurück und setzt sich als erstes in den Burger King auf ein sattes, fettiges Menue und schaut sich dabei die Bilder auf sozialen Medien an, die einem zeigen, dass die Auftritte der Menschen ein immer besseres Leben verheißen als man selbst eins führt. Es ist für mich ein Paradox, dass man Urlaub damit verbringt seine Batterien aufzuladen, anstatt mit der Energie, die man besitzen sollte den Urlaub als Mehrwert zu genießen und diesen auch in seinem Sinne zu gestalten. Was sind die Dinge, die man in diesen Detox-Situationen macht, die Energie geben? Es sind Kurzzeiteffekte. Schön für den Moment. Dann kommen wir wieder in den Alltag. Der Sinn des Entgiftens besteht darin sich wieder zu vergiften? Wie immunisiert man sich jedoch gegen den Trott? Was machst Du zum Beispiel, um Dir auch während der Woche gedanklich Urlaub zu nehmen?


Ähnliches gilt auch für den Konsum in allerlei Hinsicht: Vielleicht kennt der oder die eine oder andere die Situation, dass sich schwierige Umstände damit abmildern lassen, indem der Mensch konsumiert. Genussmittel, Waren, mediale Zerstreuung. Eine Form des Eskapismus, die die unangenehmen Aspekte nicht eliminiert. Warum diese Formen der Kompensation? Die negativen Einflüsse scheinen nicht steuerbar. Anstatt diese jedoch in bestimmten Dosen zu zulassen, werden diese einfach betäubt. Hier findet auch vielleicht die Missdeutung der positiven Affirmationen statt: Die negativen Themen ausblenden und nur auf die Sonnenseite zu schauen. Doch auch hier heißt es: Wo es Licht gibt, gibt es auch Schatten. Man kann den Schatten nicht wegdefinieren! Klar scheint die Sonne auch hinter dem wolkenverhangenen Himmel, jedoch verschwinden die Wolken auch nicht, wenn man sich die Sonne einredet.

Worum geht es letztendlich: um den Mittelweg! Leben kann man nur bedingt steuern. So sehr man sich auch in seine Komfortzone zurückzieht – irgendwann sieht man sich mit der Realität konfrontiert. Sich langsam, Schritt für Schritt auf Herausforderungen vorzubereiten machen den Menschen vielleicht nicht völlig immun gegen äußere Einflüsse, jedoch wesentlich anpassbarer. Das heißt, das Leben in all seinen Höhen und Tiefen annehmen und die toxischen Einflüsse so gering wie möglich halten, jedoch nicht ausblenden.

Dadurch ist gesundes Wachstum auf Augenhöhe möglich.

In diesem Sinne: Lass uns Schwierigkeiten in machbaren Dosen meistern und ihnen auf Augenhöhe begegnen!

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